Das erste Fahrzeug von Ransom Eli Olds entstand 1891 und wurde von einer Dampfmaschine angetrieben. Es folgten einige Doccarts mit Einzylinder-Benzinmotor, bis 1901 schließlich der neuartige Curved Dash Runabout produziert wurde, der eigentlich das erste in Serie produzierte Auto der Welt war. Der im Holz- & Kupfergewerbe tätige Unternehmer S. L. Smith hatte die Olds Gasoline Engine Works inzwischen gekauft und seinen beiden Söhnen übertragen. Der 35 km/h schnelle Curved Dash mit 1,6-Liter-Einzylinder war so erfolgreich, dass 1904 bereits 5000 Exemplare gebaut worden waren. Nach 1904 verliess Olds die von ihm gegründete Firma

und rief den Konzern REO ins Leben, fünf Jahre später gehörte Oldsmobile zu den Gründungsmitgliedern des Konzerns General Motors, der später zum grössten Autohersteller der Welt heranwuchs. In den 20er-Jahren hatte sich Oldsmobile in der konzerneigenen Modell- & Preishierarchie unter Cadillac und Buick und über Pontiac und Chevrolet eingereiht. Oldsmobile blieb dieser Tradition viele Jahre treu und baute konventionelle Modelle. Abgesehen von den Styling-Exzessen der 50er- und 60er-Jahre gab es bei Oldsmobile selten Aussergewöhnliches zu entdecken. In der Verkaufsrangliste der USA nahm man regelmässig den Platz fünf oder sechs ein.



1965 erschien dann schließlich der erste und einzige Traumwagen von Oldsmobile. Der frontgetriebene Toronado war ein überdimensioniertes Coupè mit V8-Motor, der auf dem amerikanischen Markt für so genannte "personal cars" nicht nur in direkter Konkurrenz zum Ford Thunderbird stand, sondern auch ein Beweis für die technische Möglichkeiten vom GM war. Bei einem Test des britischen Fachmagazins Motor erwies sich der Toronado als stärkstes und durstigstes Auto aller Zeiten, zeigte aber auch, dass Frontantrieb und 7-Liter-Motor sehr gut zusammenpassen können.

Der 1966er Oldsmobile Toronado war ein echter Traumwagen. Mit seinen 385 PS und reichlich Drehmoment aus dem grossen V8 war er ausserdem aussergewöhnlich schnell.


Der Toronado war der erste Fronttriebler von GM und auf dem ganzen nordamerikanischen Markt das einzige dieser Art. Auf Grund der Geschäftspraxis von GM blieb dieses Prinzip nicht Oldsmobile vorbehalten. Schon kurze Zeit später wurde es auch im Cadillac Eldorado verwendet. In den 60er-Jahren hofften viele Kenner, dass der Toronado nur der erste von mehreren Oldsmobile- Modellen dieser Art sein würde, sahen sich aber schon bald getäuscht. In den 60er-Jahren war der Toronado der
 

stärkste und glanzvollste Oldsmobile gewesen, in den 80ern hatte er weniger Leistung, weniger Hubraum und nach Meinung vieler auch weniger Ausstrahlung. Anfang der 90er hatten fast alle Modelle von Oldsmobile Frontantrieb, allerdings mit einem anderen Layout als beim Toronado der 60er. Ausserdem hatten viele grössere und stärkere Motoren. Zu Beginn der 90er-Jahre lag Oldsmobile in der Verkaufsrangliste mit 400.000 Exemplaren pro Jahr auf einem guten vierten Platz.



Zwischen Kriegsende und den 60ern folgten alle Modelle von General Motors demselben Prinzip: konventionelles Chassis, riesige ineffiziente Motoren, Unmengen von Extras und extravagantes Styling. Die Cadillac mit Heckflügeln aus den 50ern und die zeitgleich gebauten Oldsmobile waren dafür typische Beispiele.
In den 60ern entstanden dann unter dem Einfluss des Ingenieurs Ed Cole eine Reihe technisch interessanter Modelle. Nach dem Fehlschlag des Chevrolet Corvair folgten Kompaktmodelle von Buick, Oldsmobile und Pontiac. Nach dem Erscheinen der Corvette Stingray mit Einzelradaufhängung rundum legte GM eine Pause ein, aber der neue 1965 erschienene Toronado war die Wartezeit wert. Er war das erste amerikanische Auto mit Frontantrieb seit dem Cord 810/812 der 30er-Jahre.

Ransom Eli Olds baute schon in den 1890ern die ersten Autos, damit ist Oldsmobile der älteste aller amerikanischen Hersteller.


Bis Mitte der 60er-Jahre hatten Modelle dieser Klasse V8-Motoren und Heckantrieb, sie alle waren jedoch nur überarbeitete Versionen von Modellen des vorherigen Jahrzehnts. Der neue Toronado, der trotz einer Gesamtlänge von fast 5,80 Meter nur vier Sitzplätze bot, machte eine grosse Ausnahme. Der konventionelle 7-Liter V8-Motor war zwar mehr oder weniger in der üblichen Position eingebaut, aber die Hydramatic saß neben und unter dem Motor. Der Drehmomentwandler war wie üblich hinten an der Kurbelwelle angebracht, war jedoch durch eine 5 cm breite gummigedämpfte Kette mit dem Getriebe verbunden. Das Getriebe saß direkt neben am Achsantrieb, der wiederum auf dem Chassis montiert war,
 
die Vorderräder wurden schließlich über offene Kardanwellen angetrieben. Obwohl GM zuvor keine Erfahrungen mit Fronttrieblern hatte, war das kollosale Coupè nicht nur schnell, sondern auch überraschend wendig und verkaufte sich von Anfang an sehr gut.
Die Modelle von 1968-70 waren zwar nicht mehr so schlicht wie 1966 und 1967, aber der Toronado war in jedem Fall ein Meilenstein. Anfangs besaß das geschlossene Coupè 375 PS, ab 1968 war dann ein 7,4-lieter-Motor mit 375 oder 400 PS zu haben. Inzwischen war dem Toronado der Cadillac Eldorado aus der selben Firma zur Seite gestellt worden, der das gleiche Chassis und viele gleiche Bauteile besaß, aber einen eigenen V8 und einen viel kantigeren Stil.


Das Styling des Toronado wurde überarbeitet und in den 70ern dem Eldorado immer ähnlicher. 1971 änderte Oldsmobile das Design von Grund auf. Er hatte nun 7457 cm3 Hubraum und 350 PS. 1972 sank die Motorleistung auf 250 PS, 1975 auf 215 PS. 1977 hatte der Motor des Toronado nur noch 6477 cm3 Hubraum und 200 PS. Ab 1978 begann man ernsthaft die Modelle "abzuspecken". Der Radstand wurde verkürzt und der Motor ein
 
weiteres Mal auf 6577 cm3/190 PS gedrosselt.Wie bei vielen amerikanischen "Strassenkreuzern" dieser Art hatten die verschärften Bestimmungen die Fahrleistungen und das Image des Autos stark beeinträchtigt. Als die dritte Generation des Toronado erschien, betrug die Leistung nur noch 165 PS. Der Toronado war zwar auch noch in den 90ern ein wichtiger Bestandteil der Oldsmobile- Modellpalette, aber er war kein Traumwagen mehr, wie das Original.

(Quelle: Enzyklopädie Automobil)